Die Hipster-Lemminge
Felix Rohrbeck in der ZEIT über Provinzflucht

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Die synchronisierte Individualität des Nagels, interpretiert von Günter Uecker / Kunsthalle Baden-Baden 2010

Sie hassen die Provinz – so lautet ein Artikel von Felix Rohrbeck in der ZEIT vom 25. September 2014. Der Artikel beschreibt und belegt empirisch ein Phänomen innerdeutscher Mobilität der 20 bis 35-Jährigen, das es so noch nie gegeben hat: immer weniger ist demnach die Perspektive eines Arbeitsplatzes und dessen Bezahlung handlungsleitend, immer mehr dagegen jene Lebensqualität, die nur die angesagten Quartiere der Metropolen bieten können.

Es scheint, als seien permanent steigende Mieten und Lebenskosten hier keine abschreckende Marktgröße, sondern umgekehrt Ausweis höchster Attraktivität und interessanter beruflicher Perspektiven.

Ein Phänomen übrigens, in dem die Trennung von Ost und West tatsächlich überwunden ist: Hagen in NRW, so der Autor, kämpft verzweifelt und auf verlorenem Posten gegen massiven Bevölkerungsschwund, während beispielsweise Erfurt und Halle langsam durchstarten. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Ein Zitat aus dem Artikel:

(In Halle) erfand man den Job eines Eigentümermoderators, der die vielen privaten Besitzer zur Mitwirkung bewegte. Es flossen Fördermillionen für die Sanierung. Vor allem aber überließ man leer stehende Häuser und Baulücken einem studentischen Verein. So entstand der Kiosk Pinguin, der zur Begegnungsstätte im Viertel wurde. Ein französisches Musik- und Straßenfestival. Und ein Stadtgarten, in dem jeder, der will, Tomaten, Erdbeeren oder Zucchini anbauen kann. Wiegand spricht von einer „kreativen Instand-Besetzung“.

Genau so einfach ist das. Man muss es nur wollen. Unbedingt lesen!

Feinkunst Krüger / HH 2006
Da will ich hin: Vernissage Feinkunst Krüger / HH 2006