Warum Dresden?
Peter Richter und Durs Grünbein über ihre Heimatstadt Dresden

Foto oben: Merkel mit Kopftuch. Soweit sind wir gekommen!

Weil sie hier konservativer als sonst wo sind? Weil die CDU und Justiz in Sachsen zu Teilen wenig Berührungsängste und Verständnis für Rechtextreme haben? Weil sie Jahrzehnte im „Tal der Ahnungslosen“ lebten? Weil die Leipziger schon immer weltoffener waren? Oder ein wilder Mix aus all diesem?

Keine Ahnung.

Der in New York lebende, aber in Dresden geborene Autor Peter Richter versteht es auch nicht wirklich. Er war Anfang des Jahres mal wieder in seiner Heimatstadt, wegen Pegida. Unter der Überschrift Schlund denkt er in der Süddeutschen Zeitung vom 07.01.2015 über Pegida und Dresden nach und kommt zu dem abschließenden Urteil:

Wenn man nicht so drauf ist wie die, hatte man gehofft, die würden sich schon irgendwie integrieren lassen, es geht denen ja nicht so schlecht, dank der vielen übrigens recht ausländischen Firmen, die Arbeitsplätze geschaffen haben in der Stadt. Wenn man hingegen so drauf wäre wie die Pegida, müsste man die 18000 eigentlich gnadenlos abschieben. Als Standortrisiko. Aber wer will die schon haben. 

Am 12.01.2015 in Dresden: Einig unter Kameraden. 95% der Teilnehmer sind Männer. Bei den 5% Frauen sind „die Langhaarigen unter den Männern schon mitgerechnet“ (Peter Richter)

Richters Reflexionen sind lesenswert, weil hier einer mit guter Kenntnis der Stadt und ihrer jüngeren Geschichte aus transatlantischer Distanz hinschaut ohne typisch deutsche Denkrichtlinien von wegen „Sorgen aus der Mitte der Gesellschaft“. So schreibt er: Angst ist nun wirklich das einzige, was hier niemand ausstrahlt, sondern höchstens einflößt. 

Ebenfalls in Dresden geboren und in der ZEIT schreibend: der Schriftsteller Durs Grünbein. Unter der Überschrift Das Volk, dieses Monster schildert er am 18.02.2015 in dieser Zeitung Begegnungen mit wild gewordenen Kleinbürgern, wie sie überall in Deutschland passieren konnten und können, deren Lust zur Unterwerfung und wütenden Opportunismus (was für ein schöner Terminus!) Grünbein in Dresden aber für außerordentlich hält. Vielleicht hat er recht, oder wem ist schonmal ähnliches widerfahren wie die Geschichte
(…) vom Taxifahrer, der seinen Fahrgast vom Flughafen Klotzsche in die Stadt brachte, und als dieser es wagte, Kritik zu äußern an König Kurt (Biedenkopf), scharf abbremste und den Mann zum Aussteigen zwang. „Wenn Se hier unsern Ministerpräsidenten beleidschen, steischen Se aus.“

Weitere schöne Zitate von Grünbein:
Woanders mögen sie für die Freiheit auf die Straße gehen, gegen die großen Drachen demonstrieren – eine Diktatur, ein Militärregime, einen Kremlherrscher. Der Kleinbürger geht auf die Straße, weil er sein Revier verteidigen will, irgendeine Bedrohung findet sich immer.
und, einen Radebeuler zitierend:
Wenn sie doch wenigstens ihren Karl May wieder lesen würden: „(…) Vor allem erstrebe ich eine Aussöhnung des Morgenlandes mit dem Abendland sowie die Erkenntnis all dessen, was wir von Amerika zu erwarten haben. Darum bemühe ich mich in meinen Büchern, Sympathien für die Orientalen und für die amerikanische Rasse zu erwecken. Und das ist mir, wie ich glaube, gelungen. Jeder Leser meiner Bücher weiß, was wir dem Orient schuldig sind, und ist dankbar dafür!“
Lesenswert!

Das sind die Fragen, vor denen Deutschland steht. Auf einem anderen Transparent will einer „Meinungsfreiheit statt Salafistenterror“. Soll heißen: den Salafisten rollen sie den Roten Teppich aus, aber wir Pegida werden unterdrückt.

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