Die Bachs, die Unstrut, das Welterbe und ich

// Wie ich auf einer Fastenwanderung durch die Fremde im eigenen Land nicht mehr zu entscheiden wußte, ob ich über den spürbaren Unwillen der Tourismusverantwortlichen, das Land aus der Perspektive des zeitgenössischen Reisenden zu betrachten, weinen oder glücklich sein sollte, und, während ich noch darüber nachsann, wie schön es ist, niemandem zu begegnen, mitten im 17. Jahrhundert landete und eine verwegene Idee von mir Besitz ergriff.

Die Burg Wendelstein beim Memleben. Keine Wegelagerer weit und breit

Von Erfurt unsere Arnstädter Gera hinunter nach Norden, durch das Erfurter Becken bis Sömmerda, sodann an der Unstrut entlang Richtung Naumburg, eine Woche hindurch versorgt nur mit Tee, klarer Gemüsebrühe und Wasser, so war es geplant. Aufgrund der großen Hitze schrumpfte die Reichweite zwar bis nach Laucha, dennoch hatte ich danach einen klaren, keineswegs nüchternen Blick auf meine inzwischen schon nicht mehr so neue Heimat. Schuld daran waren schier endlose Weizenfelder, drei Schlösser und ein Buch.

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Bauhaus des Volkes / Das „Haus des Volkes“ des Franz Itting (1875-1967)

Oben: streng rechter Winkel vom Stuhl bis in die Stahlbeton-Unterzüge sowie Vollverglasung: betonte Funktionalität im Restaurant des "Haus des Volkes"

Auf der niedrigsten Nord-Süd-Durchquerung des Thüringer Waldes, an der Grenze zu Franken, liegt Probstzella. Wie eine herrschaftliche Festung überragt ein ungewöhnliches Gebäude den kleinen Ort: das „Haus des Volkes“, errichtet und ausgestattet von den Bauhäuslern Alfred und Gertrud Arndt 1927.
Wie im Falle des Faguswerkes des Carl Benscheidt in Alfeld an der Leine verdanken wir dieses Zeugnis vom Aufbruch in die Moderne einem sozial und fortschrittlich eingestellten Unternehmer.

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Real existierender Mythos der Zeitlosigkeit

Das Fagus-Werk von Carl Benscheidt (1858–1947), Walter Gropius (1883-1969) und Adolf Meyer (1881-1929) im niedersächsischen Alfeld / Leine.
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Irgendwann zwischen 1908, als Arnold Schönberg mit seinem Zweiten Streichquartett Opus 10 dem Wiener Publikum das grandiose Vergnügen eines veritablen Skandals bereitete, und 1913, als Wladimir Malewitsch in St. Petersburg sein erstes Schwarzes Quadrat malte, muss er stattgefunden haben: der Urknall der Moderne. Unter Kaisern und Königen und deutlich noch vor dem Ersten Weltkrieg.

Bahnwaage

Zwischen diesen beiden Terminen, im Jahre 1911, beauftragte der ehrgeizige Unternehmer Carl Benscheidt den jungen Architekten Walter Gropius, ihm auf der grünen Wiese an der Bahnstrecke von Hannover nach Bebra eine moderne Fabrikanlage für die Produktion von Schuhleisten zu errichten. Real existierender Mythos der Zeitlosigkeit weiterlesen

Das schönste Museum der WeltDas zweite Leben des Neuen Museums in Berlin

Rekonstruktion bedeutet Zerstörung 
David Chipperfield

Ein Essay über deutsche Denkmalpflege und Baukultur
Ausgerechnet in Deutschland und ausgerechnet inmitten der ehemaligen preußischen Hauptstadt ist ein über fünfzig Jahre bis zur piranesischen Ruine verfallenes klassizistisches Gebäude in einer Weise restauriert worden, die Maßstäbe setzt für den Umgang mit historischer Bausubstanz.
Deutsche Denkmalpfleger, Restauratoren, Architekten, Baustofflieferanten, Handwerker, Kirchenvereine und Bauherren, besucht das Neuen Museum in Berlin und lest die unglaubliche Geschichte seiner Wiedergeburt, der größten archäologischen Ausgrabung, die jemals an einem einzelnen Gebäude durchgeführt wurde.
Nie zuvor habe ich deutlicher begriffen, warum das, was in Deutschland bis heute unter „Sanierung“ firmiert, so oft Zerstörung bedeutet – von Originalsubstanz und Geschichte, von Schönheit und Lebensqualität –, und warum nichts so schön und anrührend ist wie das Fragment. Das schönste Museum der WeltDas zweite Leben des Neuen Museums in Berlin weiterlesen

Ibiza – die afrikanische Schwestervon Judith Rüber

Kommt man mit dem Flieger nach Ibiza, so sieht man zuerst die ausgedehnten geometrischen Becken der Salinen, umgeben von Feldern mit roter Erde, einigen Palmen und flachen, weißen kubischen Häusern. Wäre ein Seeadler vor 2700 Jahren auf der Insel gelandet, es hätte sich ihm ein ähnliches Bild geboten. Ibiza – die afrikanische Schwestervon Judith Rüber weiterlesen

New York City 2012Protokoll einer unvermeidlichen Reise

Ich war noch nie in New York. Judith auch nicht. Kurz vor meinem 50. Geburtstag beschlossen wir, dass das nicht so bleiben könne. Eine Stadt, die alle für den Mittelpunkt der Welt halten, und deren New York Times in Sachen Journalismus die Maßstäbe setzt, wollten wir zumindest einmal erlebt haben.
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