Modernismus oder menschlicher Maßstab?
Jan Gehl über die Fehler der Stadtplaner

Nun hat brand eins endlich das wunderbare Interview mit dem dänischen Stadtplaner Jan Gehl vom Dezemberheft 2014 (aufgezeichnet von Harald Willenbrock) freigeschalten. Der Mann ist 78 Jahre alt und hat zahlreiche internationale Metropolen beraten, wie sie mehr Lebensqualität in Ihre Straßenschluchten bringen.

Die Hauptaussage von Jan Gehl lautet:
Erst formen wir unsere Städte, dann formen sie uns.

Erst eine selbstverliebte modernistische Architektur, die die (Fuß-)Wege unfreundlich weit machte, und der Automobilverkehr, der aus Stadtplanung Verkehrsplanung machte, nahm den Städten die Lebensqualität.

Das Maß Gehls für eine Stadt mit hoher Lebensqualität? Keiner ist schneller als mit 5 km/h unterwegs (aufgepaßt, Radfahrer!). Dort aber war (und ist) jederman zu Fuß unterwegs, was nicht nur eine Stadt überhaupt erst lebenswert macht, sondern sich unter anderem auch positiv auf die Gesundheit auswirkt. Weil es der allgemeinen Verfettung entgegenwirkt.

Gehl sagt viel Richtiges über die Fehler der Metropolen, die oft ihren Maßstab verloren haben: den Menschen und seine über alle Jahrtausende und Kulturen hinweg unveränderten Proportionen von nah und fern, von behaglich und unwirtlich. In den kleinen Städten aber liegen die Probleme oft  woanders: Hier stimmen die Dimensionen, aber die Ideen fehlen, Sie mit Leben zu erfüllen.

Bis heute hat Gehl noch keine deutsche Kommune beraten. Ich bin sicher, das kann und wird sich schnell ändern.

Jan Gehls Buch „Städte für Menschen“ erscheint im Januar 2015 im Jovis Verlag; 288 Seiten; 32 Euro

Der Film: www.thehumanscale-derfilm.de

Bild oben: Stadt ist auch der Raum zwischen der Architektur. Fritz Glarner (Ausschnitt) / Metropolitain Museum 2012